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Russland und die GUS

Sonderheft, 1995

Fast täglich erreichen uns aus Rußland und den anderen Republiken der ehemaligen UdSSR Nachrichten, die die Kompliziertheit der Prozesse zur Systemablösung und zur Neuformierung der Gesellschaft in dieser Region verdeutlichen. Der rasche und bisher im wesentlichen friedliche Zerfall der über Jahrzehnte die Weltpolitik entscheidend bestimmenden zweiten Supermacht, der UdSSR, und das Entstehen von 15 neuen, formal unabhängigen Staaten gehören zweifellos zu den tiefgreifendsten gesellschaftlichen Umbrüchen am Ende des 20. Jahrhunderts. Die volle Tragweite und Konsequenz dieser Entwicklung für Sicherheit und Stabilität in der postsowjetischen Region mit ihren zwangsläufigen Auswirkungen auf die europäische und internationale Situation insgesamt zeichnen sich auch drei Jahre nach dem formalen Ende der Sowjetunion erst in Umrissen ab. Zwar konnte bisher - auch dank der Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) - eine von vielen befürchtete “Jugoslawisierung” der Desintegration der ehemaligen UdSSR verhindert werden, jedoch zeigen die Kämpfe in Tschetschenien sowie die Berichte über die fortdauernden Konflikte in anderen Regionen der ehemaligen UdSSR schlagartig, daß die Zerfallsprozesse nicht beendet sind und sich die Herausbildung neuer Strukturen erst in Ansätzen vollzieht.

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