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WeltTrends 1/2012 (Nr. 81): Autoritarismus im 21. Jahrhundert

Information zum neuen Heft

Hoch lebe die Demokratie! So schallte es durch die Hallen der Politikwissenschaft der frühen 1990er-Jahre. Demokratisierungswellen schienen ungebrochen an Land zu schwappen. Heute setzt sich, entgegen vielen Erwartungen, die Tendenz zum Autoritarismus im 21. Jahrhundert zunehmend durch – als ein globales Phänomen. Die Antworten, die politische Regime auf alte und neue Herausforderungen geben, sind immer weniger demokratischer und immer mehr autoritärer Natur, mal offen, mal schleichend. Es geht in diesem Heft um jenen sich weltweit verstärkenden Hang zu autoritären Lösungen, von Nordkorea und China über Russland, Mitteleuropa und den Nahen Osten bis nach Südamerika. Mit diesem globalen Blick geben unsere Autoren der hiesigen Debatte zum Autoritarismus neue Impulse und Orientierung.

Der WeltBlick zeigt Länder in (Bürger-)Bewegung: In Chile protestieren immer mehr Menschen für ein gerechteres und besseres Bildungssystem. Fast ein Jahr nach der Jasminrevolution siegte bei den ersten freien Wahlen nach 23 Jahren in Tunesien eine islamistische Partei und bei den Nachbarn Afghanistans geht die Angst vor einer „islamistischen Bedrohung“ um.

Unser Forum führt die Diskussion des letzten Heftes zur atomaren Abrüstung weiter: U. a. zeigt Rolf Mützenich, MdB, „wie wir lernen, auf die Bombe zu verzichten“. Ob US-Präsident Obama diese Entwicklung noch maßgebend mitbestimmen wird, hängt von der nächsten Wahl ab. Unsere Analyse zeigt eine Präsidentschaft am Scheitelpunkt und Ulrich K. Preuß plädiert im Kommentar für das Lernen aus der Krise, für mehr Demokratie in der EU.

Neben der LipGlosse und dem Zwischenruf runden Konferenzberichte und unser Literaturteil das aktuelle Heft ab. Wiedergelsen diesmal: „Ein autoritäres Regime: Der Fall Spanien“ von Juan J. Linz, dem Altmeister der internationalen Autoritarismusforschung.

Thema: Autoritarismus im 21. Jahrhundert

Im aktuellen Thema geht es um eine Entwicklung, die sich seit einiger Zeit global abzeichnet: die Tendenz zum Autoritären. Bereits vor Jahren hatte Ralf Dahrendorf hinsichtlich des Charakters dieses Jahrhunderts formuliert: „Ein Jahrhundert des Autoritarismus ist keineswegs die unwahrscheinlichste Prognose für das 21. Jahrhundert.“ Eine nüchterne Bilanz des ersten Jahrzehnts zeigt: Autoritäre Regime bzw. autoritäre Lösungen sind eine bevorzugte, weitverbreitete politische Antwort auf soziale, wirtschaftliche und politische Fragen.

Raimund Krämer (Potsdam) skizziert aktuelle autoritäre Tendenzen und erinnert zugleich an die theoretischen Debatten zum Autoritarismus in den 1950er- und 1960er-Jahren, wobei der Name Juan J. Linz, dessen 85. Geburtstag u. a. Anlass für dieses Heft ist, im Zentrum steht. Auch die anderen Autoren beziehen sich auf Linz: Mark Thompson (Hong Kong) in seiner Analyse ostasiatischer Regime, Dieter Segert (Wien) in seinem Beitrag über die Demokratieblockaden in Russland, Luis E. González (Uruguay) bei seinen Überlegungen zur „stabilen Instabilität“ der Demokratien in Süd- und Mittelamerika, Erhard Crome (Potsdam) in seiner Analyse der autoritären Neuordnung Ungarns und bei Oliver Schlumberger (Tübingen), der fragt, ob der „arabische Frühling“ auch das Ende des Autoritarismus im Nahen Osten bedeutet.

WeltBlick: Bildungsrevolution in Chile, Tunesien nach den Wahlen und Afghanistans besorgte Nachbarn

Weltweit brodelt es, Bürger gehen auf die Straße. In Chile will man sich die Ungerechtigkeiten des Bildungssystems nicht länger gefallen lassen. Nur wer zahlt, darf lernen – dagegen wehrt sich vor allem die Jugend öffentlichkeitswirksam mit aller Macht. Leonor Abujatum, eine junge chilenische Autorin, fragt skeptisch: Wird die Regierung weiterhin mit Knüppeln auf Demonstranten einschlagen lassen oder endlich einlenken?

In Tunis spürt man den Geist. Vor einem Jahr begann in Tunesien der „arabische Frühling“. Mit den ersten freien Wahlen nach 23 Jahren setzte dieses Land im Oktober 2011 weiterhin Maßstäbe für eine ernsthafte demokratische Entwicklung in der Region, deren Ergebnisse Matthieu Voss diskutiert.

Afghanistan nach 2014 steht die „islamistische
Bedrohung“ im Zentrum. Arne Seifert hält diese Logik für verhängnisvoll. Bei der Herstellung eines vernünftigen Verhältnisses mit dem politischen Islam in säkularen Ländern könnte die OSZE als eurasische Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit einen wichtigen internationalen Rahmen darstellen.

Forum: Atomare Abrüstung

Gerry Woops These, dass Abrüstung politisch gewollt werden muss, kann man unterschreiben. In seiner Replik setzt er sich mit den Beiträgen von Martin Senn und Markus Kornprobst (WeltTrends 81) auseinander.

Rolf Mützenich, MdB und außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, analysiert die Zukunft der nuklearen Weltordnung. Auch für ihn steht der politische Wille auf dem Weg zu Global Zero an zentraler Stelle. Können wir lernen, auf die Bombe zu verzichten?

Analyse: Lame Duck Obama?

Der Wahlkampf in den USA ist bereits angelaufen. Wird Obama seine Präsidentschaft fortsetzten können? Florian Böller und Sebastian Werle (beide Kaiserslautern) ziehen Bilanz aus der bisherigen Amtszeit des 44. US-Präsidenten. Ist angesichts der fehlenden Kompromissfähigkeit im politischen System seine Präsidentschaft gescheitert oder verbleiben Obama noch Gestaltungsspielräume zur Umsetzung wichtiger Vorhaben?

Das aktuelle Heft in seiner Gesamtheit ist eine Referenz an den Meister der Autoritarismusforschung, an Juan José Linz, zu dessen 85. Geburtstag. Die Beiträge dieser Ausgabe zeigen, dass seine Gedanken über moderne autoritäre Regime, vor über 40 Jahren formuliert, auch für die Vermessung der politischen Welt des 21. Jahrhunderts sinnvoll und anregend zugleich sein können.

Das neue WeltTrends-Heft erscheint Ende Januar 2012.

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